G’emma veröffentlicht neue Single „Shadow of Who I Used to Be“ – Zwischen Melancholie, Leistungsdruck und Indie-Soul-Vibes
Mit „Shadow of Who I Used to Be“ hat G’emma am 02.01. eine neue Single veröffentlicht, die sich leise anschleicht – und lange nachhallt. Der melancholisch-vibige Indie-Soul-Track erzählt von einem Gefühl, das viele kennen, aber nur wenige so offen aussprechen: dem schleichenden Verlust des eigenen Ichs im Strudel aus Arbeit, Erwartungen und ständigem Leistungsdruck.
Schon nach den ersten Takten wird klar: Dieser Song drängt sich nicht auf. Er zieht einen hinein. Ein entspannter Beat trifft auf atmosphärische Sounds, die wie ein endloser, gleichmäßiger Regen wirken – ruhig, aber schwer. Darüber liegt G’emmas verletzlich-ruhige Stimme, nah am Ohr, fast wie ein innerer Monolog. Man hat das Gefühl, nicht nur einen Song zu hören, sondern einem ehrlichen Geständnis beizuwohnen.
Wenn man nur noch als Schatten funktioniert
Inhaltlich ist „Shadow of Who I Used to Be“ ein introspektiver Blick auf das eigene Spiegelbild. Es geht um das immer gleiche Stolpern über dieselben Fehler, um emotionale Taubheit und die Einsamkeit, die sich einschleicht, wenn man nur noch funktioniert. In einer Gesellschaft, die kaum Pausen erlaubt und Produktivität zum Maß aller Dinge macht, beschreibt G’emma dieses Gefühl, Stück für Stück zu verblassen – bis nur noch ein Schatten des früheren Selbst übrig bleibt.
Gerade diese Thematik macht den Song so zeitgemäß. Viele Menschen – vor allem eine junge, ambitionierte Generation – erkennen sich in diesem Kreislauf wieder. Zwischen Selbstoptimierung und Dauerstress bleibt oft wenig Raum für echte Selbstreflexion. G’emma schafft es, diesen Zustand nicht pathetisch, sondern ehrlich und greifbar zu vertonen.
Detailverliebter Indie-Soul mit Tiefgang
Musikalisch lebt der Track von seiner reduzierten, aber intensiven Atmosphäre. Statt großer Gesten setzt G’emma auf Feinheiten. Kleine Sounddetails, subtile Nuancen im Arrangement und eine Stimme, die nicht dominiert, sondern trägt. Genau das verleiht dem Song seine Tiefe.
Die Einflüsse von Künstlerinnen wie Erykah Badu, Amy Winehouse oder Ella Fitzgerald sind spürbar, ohne jemals zur Kopie zu werden. Jazzige Untertöne, Neo-Soul-Vibes und eine moderne Indie-Ästhetik verschmelzen zu einem eigenständigen Sound. Wer Acts wie Jorja Smith, Lianne La Havas oder Jordan Rakei schätzt, dürfte sich hier sofort zuhause fühlen.
G’emma: Zwischen Intimität und Bühnenkraft
G’emma versteht sich nicht nur als Songwriterin, sondern als echter Live-Künstler*in. Ob mit voller Band oder in reduzierter Trio-Besetzung mit Kontrabass und Trompete – die Musik lebt vom Zusammenspiel und von der Dynamik im Moment. Diese Nähe spürt man auch in der neuen Single: Die Produktion wirkt organisch, fast so, als könnte der Song jeden Moment auf einer dunklen Bühne weiteratmen.
Was mich persönlich an „Shadow of Who I Used to Be“ besonders berührt, ist diese stille Konsequenz. Der Song schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Er flüstert. Und genau deshalb hört man genauer hin. In einer Zeit, in der vieles laut und schnell sein muss, ist diese Form von musikalischer Ehrlichkeit fast schon radikal.
Mit ihrer neuen Single liefert G’emma nicht nur einen atmosphärischen Indie-Soul-Track, sondern ein Stück Selbstreflexion, das unter die Haut geht. „Shadow of Who I Used to Be“ ist ein Soundtrack für all jene Momente, in denen man sich fragt, wann man eigentlich begonnen hat, sich selbst aus den Augen zu verlieren.
