An einem kühlen Novemberabend traf sich Conny mit den vier Jungs von Samavayo, um mit ihnen u.a. über ihr erstes Konzert, ihr aktuelles Album „Cosmic Knockout“ sowie ihre Zukunftspläne zu reden.
Erst einmal für die, die euch noch nicht kennen: Stellt euch doch einmal vor und erzählt etwas zu eurer Musik.
Behrang: Wir sind Samavayo, uns gibt es seit 2000. Wir sind eine Heavy-Rock-Band, Stoner, Alternative aus der härteren Rockecke. Seit 10 Jahren sind wir in gleicher Formation und haben inzwischen drei Studioalben und einige EPs veröffentlicht, etliche Konzerte gespielt, waren ein paar Mal im Ausland und arbeiten gerade an der neuen Platte.
Wie habt ihr euch kennen gelernt?
Behrang: Das ist ziemlich witzig. Stephan und Andreas z.B. sind ja Brüder. Wir sind alle von derselben Schule gewesen, drei von uns sogar aus demselben Jahrgang. Wir haben uns aber erst nach dem Abi als Band zusammengefunden, sind also keine klassische Schulband, aber kennen uns trotzdem schon ewig. Marco und Andi kennen sich sogar noch länger, die haben davor schon eine andere Band gehabt.
Welche Musik hat euch und euren Stil wesentlich geprägt und beeinflusst?
Andreas: Für mich war es die 70er-Jahre Musik und der Punkrock, z.B. Jimi Hendrix, The Doors, Led Zeppelin. Oder auch unbekannte Punkbands und in den 90ern Nirvana. Um 2000 rum hat mich Stoner Rock ziemlich interessiert.
Behrang: Wir alle kennen 60er und 70er Jahre Musik und das ist auch grob das Fundament. Aber dennoch hat jeder seinen eigenen Geschmack. Marco ist neben der 70er auch in den 90ern gut drin, Stephan hört auch Funk und Jazz. Ich bin mehr über den Metal reingekommen. Als erstes habe ich eigentlich Body Count, Metallica, Clawfinger und andere Metalbands gehört. Dann habe ich rückwirkend die ganzen 70er-Sachen gehört.
Euer aktuelles und 3. Album „Cosmic Knockout“ ist dieses Jahr erschienen. Wie würdet ihr es in eigenen Worten beschreiben und wie unterscheidet es sich von seinen Vorgängern?
Behrang: Der Hauptunterschied ist erst mal die Produktion. Wir haben alles selber gemacht, selbst aufgenommen und so rough wie möglich, wie wir es zu dem Zeitpunkt im Kopf hatten, gelassen und alles live eingespielt. Das ist der der größte Unterschied gegenüber den anderen Platten, die aufwendiger produziert und nicht live eingespielt waren. Diesmal wollten wir die Energie einfangen. Musikalisch ist es ein Weg von der „One Million Things“ kommend. Wir haben sehr viel rohere Elemente reingepackt, das Tempo und die Energie erhöht, mehr „Back to the roots“. Wie wir angefangen haben ging es nicht so sehr um irgendwelche Melodien, sondern hauptsächlich um die Energie, die wir als vier auf der Bühne auch entwickeln. So war es nun der Versuch unseren Livecharakter einzufangen. Bei der nächsten Platte wollen wir das noch mehr schaffen.
Was ist eigentlich ein „Cosmic Knockout“?
Behrang: Der Name ist zusammen entstanden. Das war aber ein Werdegang. Marco hat das Artwork gemacht. Das ist alles etwas kosmisch, wie z.B. mit dem Sonnenauge. Auch die Songtexte, wie bei „Payback“, „Universe“ und „Cosmic Storm“ ist das alles in einem solchen Zusammenhang zu sehen und geht inhaltlich weiter, als bei den anderen Alben, bei denen es hauptsächlich um Erfahrungen aus dem Leben ging, wie Liebe und Leid. Diesmal geht es mehr um das Dasein, den Sinn, die momentanen Entwicklungen, ob es die Welt noch lange gibt usw. Da Passt das Artwork sehr gut mit den neuen Inhalten und dem Vibe in der Band zusammen.
Marco: Es gibt einen physischen und einen psychologischen Knockout. Du hörst die Musik, kannst dich nicht wehren. Du fühlst dich gut oder sie haut dich um. In dem Zusammenhang mit dem Artwork, das alles miteinander vermischt, was im Kosmos stattfindet, entsteht unser eigener Klangkosmos und wird zum Knockout, der dich so umhaut. „Kosmischer Knockout“ war dann eine bessere Lösung, als so ein schwieriger Begriff wie „Psychologischer Knockout“.
Die Videos zu „Wait“ und „Go“ des zweiten Albums „One Million Things“ liefen auf MTV. Hat euch das merklich mehr Aufmerksamkeit und Fans beschert?
Behrang: Aufmerksamkeit auf jeden Fall. Es macht schon einen Unterschied, wenn man im Fernsehen oder im Radio drin ist, wo eine Single ein wenig rauf und runter gespielt wird. Das war mit „Wait“ bei manchen Radiosendern der Fall. Das hat uns in den entsprechenden Regionen Fans beschert, für die wir auch dankbar sind. Aber insgesamt denke ich, spielen Musikvideos im Fernsehen nicht mehr eine große Rolle. „Go“ lief bei „Rockzone“ und da hat man schon gemerkt, dass Leute zum Konzert kamen, die den Clip dort gesehen haben und deswegen auch da waren. Aber ich denke das Livespielen und Radio stehen noch etwas über dem Musikfernsehen.
Was die breite Öffentlichkeit angeht, so ist es derzeit ein bisschen ruhiger um euch geworden. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ihr euch 2010 von Management und Label getrennt habt. Was hat euch dazu bewegt und wie fühlt ihr euch jetzt damit?
Stephan: Besser!
Behrang: Ruhiger ist es ja auch in erster Linie um uns geworden, weil wir neben diesen Veränderungen auch weniger Shows gespielt und an der „Cosmic Knockout“ gearbeitet haben. Die Entscheidung, die wir getroffen haben, ist schon besser für uns, weil wir jetzt einfach viel mehr in der eigenen Hand haben. Das haben viele Bands durchgemacht, dass sie irgendwann an einem Punkt sind, an dem sie merken, dass sie auf fast gar nichts mehr Einfluss haben. Jetzt fühlen wir uns auf jeden Fall besser damit, weil alles in unserer Hand ist und wir allem nachgehen und die Entwicklung ständig kontrollieren und müssen uns nicht mehr darauf verlassen, dass irgendjemand das macht. Dementsprechend haben wir jetzt einen höheren kreativen Output, weil wir mehr damit beschäftigt sind das zu machen, was eine Band ausmacht: Zu spielen und Songs zu machen. Es haben sich in den letzten Jahren immer wieder Sachen verzögert und am Ende hat man irgendeine Lösung genommen. Jetzt wissen wir vorher, dass wir auf Setalight releasen werden und nehmen die Songs auf. So hat das alles auch mehr Struktur und es wird nicht mehr ständig eine Entscheidung revidiert oder verschoben. Das war auch ein Grund, warum „One Million Things“ am Ende nicht so released wurde, wie wir das vielleicht ursprünglich vor hatten.
Was sind jetzt eure Bandziele für die Zukunft?
Behrang: Unser Hauptziel ist eigentlich, dass wir Leute mit unserer Musik erreichen und in der Rocksezene dort ankommen, wo es für unsere Musik auch angebracht ist. Ich denke, mit der „Cosmic Knockout“ haben wir uns so wie wir uns selbst wahrnehmen dargestellt. Das wird mit der nächsten Platte noch viel eindeutiger sein. Dementsprechend wollen wir einfach vor genau den Leuten spielen, die solche Musik auch hören wollen. Genau das war vielleicht in der Vergangenheit ein paar Mal nicht der Fall. Festivals spielen im Sommer 2012, im Frühjahr werden wir unterwegs sein, vielleicht den ein oder anderen Gig mal wieder im Ausland spielen und im Herbst zu unsrer neuen Platte touren. Dazwischen einfach wieder an den nächsten Songs arbeiten. Wir haben einen hohen Output und wollen regelmäßig Platten rausbringen und nicht einfach mal 4 Jahre weg sein.
Stephan: Der ganze Entstehungsprozess der „Cosmic Knockout“ war auch ein Prozess des Freispielens und der Selbstfindung, sich von äußeren Einflüssen entfernen. Das haben wir nun gemacht und jetzt können wir weiter nach vorne gehen und eine neue Platte machen, die noch definierter ist, noch mehr wir selbst und uns ein bisschen direkter präsentieren. Wir wollen auch wieder mehr booken, als vorher. Das hat früher eigentlich ganz gut geklappt. Die ganzen Connections laufen dadurch ganz gut, wenn man viel selber macht. Man hat einen besseren Draht zu den Leuten.
Euer erstes Konzert war im Berliner Kulturcentrum „Die Weisse Rose“. Was habt ihr für Erinnerungen an dieses Konzert?
Stephan: Frag mal die, die ein Gedächtnis haben! (lacht)
Behrang: Untypisch war erst mal, dass wir für eine Band, die aus Friedrichshain und Lichtenberg kommt, ziemlich weit von unserem Bezirk weg waren. Danach ist das auch nicht mehr oft passiert. Wenn man sich anguckt, wo die Clubs in Berlin liegen, sind sie meistens im Ostteil der Stadt und maximal in Mitte. In den ersten Jahren sind wir schon ein paar Mal in die Clubs „rüber gefahren“. Dementsprechend war es auch so, dass wir mit unserer Musik schon so ein bisschen alleine da standen.
Stephan: Früher und danach auch immer wieder haben wir uns nicht so richtig in den Rest eingebunden. Wir haben schon immer Rock gemacht und viele andere Schülerbands haben Pop- oder Metalanteile gehabt. Unser Sound ging da in die 70er-Richtung und war geerdeter.
Behrang: Das war ein Bandcontest.
Stephan: … eine Schülerbandveranstaltung.
Marco: Es war eine große Bühne und es waren wenig Leute da.
Behrang: Das Equipment haben wir glaube mit dem Taxi transportiert. Wir haben irgendwo auch Aufnahmen von dem Gig.
Habt ihr inzwischen ein bestimmtes Ritual, bevor es auf die Bühne geht?
Behrang: Wir schwören uns nicht ein. Das gibt es ja bei manchen Bands. Das ist auch witzig, aber diese Extramotivation brauchen wir nicht. Wir sind nie lustlos auf eine Bühne gegangen. Vielleicht kraftlos, weil wir in der Nacht zehn Stunden durchgefahren sind, aber nicht lustlos.
Mit welchen Künstlern würdet ihr gerne einmal die Bühne teilen, wenn ihr die uneingeschränkte Wahl hättet?
Behrang: Jimi Hendrix.
Andreas: Beethoven!
Behrang: Gut, muss musikalisch schon ein bisschen passen! Black Sabbath wär cool. Die machen ja Reunion. Led Zepplin, Elvis…
Marco: Beatles, wir als Vorband von den Beatles.
Stephan: Queens of the Stoneage.
Behrang: Auf der einen Seite gibt es die Idole, die vielleicht schon verstorben sind, mit denen man natürlich gerne spielen würde. Aber da geht es eher darum, dass man gerne in der Zeit wäre. Dann gibt es eine Menge coole Bands, die stilistisch in unserer Nähe sind, wie Queens of The Stoneage oder Muse. Das sind aber fast ausnahmslos amerikanische Bands, mit denen wir gerne spielen würden. Ich meine, vor Rammstein könnte man auch mal spielen. Wäre musikalisch aber ein bisschen weiter weg, als Queens of the Stoneage.
Andreas: Geil wäre auch Michael Jackson und in der Mitte eine kurze Showeinlage mit uns. (lacht)
Behrang: Blackmail, Emil Bulls …
Gibt es etwas, dass ihr immer schon mal loswerden wolltet oder was euch aktuell total beschäftigt? Dann wären das hiermit eure Schlussworte.
Behrang: Alternative Rock kommt zurück, aber im ganz großen Stil!
Andreas: Gestern Abend habe ich mir gedacht, dass es etwas schade ist, dass die Verantwortung vor Dingen, für das eigene Leben und für die Person, die man liebt etwas verloren gegangen ist. Heute wird alles so schnell gemacht.
Stephan: Mehr Verantwortung gegenüber der Umwelt! Nicht ein Taxi bestellen und dann aber nicht zu Hause sein und der Taxifahrer steht einfach rum. Der fährt dahin, weil er gerufen wird und dann ist die Person, die ihn gerufen hat, einfach mal 20 Minuten nicht da. Dann wird von der Zentrale wieder angerufen und der Taxifahrer muss noch mal hinfahren. Ist doch irgendwie respektlos. Sollen sie doch einfach sagen, wann sie da sind.
Behrang (etwas entgeistert): Wer macht denn sowas???
Marco: Ich habe letzte Woche am Alexanderplatz einen fiesen Fahrradunfall gesehen. Wollte nur sagen, dass man sich freuen und dankbar sein soll, dass man am Leben ist. Schön aufpassen und am besten Helm tragen!
Vielen Dank für das offene und herzliche Interview. Wir wünschen euch natürlich weiterhin viel Erfolg.
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